Unterwegs in Swingerclubs

Karibik in München

Schon lange stand wiedermal ein Besuch der Karibik auf dem Plan. Und ein wenig Abwechslung, am besten knisternd und aufregend, lockert den Redaktionsalltag wieder auf. Also einigten wir uns an einem Mittwoch abend Ende August den Swingerclub Karibik zu besuchen. Leicht zu finden in München-Pasing im Gewerbegebiet. Gegen 21:30 kamen wir an, Parken kein Problem.

Über die mit Büschen gut getarnte Treppe kommt man mit ein wenig Achtsamkeit gut hinunter und wird durch ein Schild zum richtigen Eingang geführt. Durch verschiedene an uns herangetragene Gerüchte sensibel geworden, drehten wir vorsichtshalber der Überwachungskamera den Rücken zu.

Der Begrüßung folgte eine gewisse Verwunderung. Wird doch tatsächlich von den Gästen für den Spindschlüssel ein Pfand verlangt, 20 ganze Märker. Da mein Schlüsselbund wesentlich mehr Wert ist, gab ich ihn als Sicherheit. Was die Gäste wohl mit eventuell mitgenommenen Schlüsseln anfangen?

Den Gang entlang, vorbei an dem mit einem Vorhang abgetrennten 'Hundehüttenraum' gelangten wir zu den Umkleiden, welche in drei Bereiche unterteilt sind. Hinter den Umkleiden befinden sich die Duschen, zwei Sprudelbadewannen, eine Sauna und ein Dampfbad. 

Einen weiteren Gang entlang kommt man in den Barraum. Dieser ist zugleich die zentrale Anlaufstelle und Kontaktbereich. Barhocker, Bistrotische und eine Couch. Getränke, frischer Kaffe und Smalltalk. Die klassische 'Wie-gehts-was-gibts-Neues' Fragestellung durch die Betreiber läßt einen gleich ins Gespräch kommen. Allerdings nicht unbedingt in den gewünschten Bahnen, wenn man sich unverhofft ausgefragt fühlt.

Für die Stärkung 'davor' oder 'danach' begibt man sich wieder durch den Gang in den 'Speiseraum'. Rauchen darf man hier nicht und seine Getränke muß man bei Bedarf mit dorthin nehmen. Kaltes und warmes Buffet. Das mit dem Essen ist nunmal Geschmackssache, aber die Frühlingsröllchen waren kalt.

Wir hingegen waren nicht mehr so kalt und machten uns auf den Weg zu dem runden Lederbett. Dort waren wir bald nicht mehr allein.

Gemeinsam unter der Dusche hat schon immer Vorteile gehabt. Was an Haarshampoo zuviel vorhanden ist, fehlte an Duschgel völlig. Und der vorhandene Seifenspender war leer. Einer duscht und der andere organisiert die Seife.

Eigenartig, für Swingerclubs atypisch und zum Nachdenken anregend ergab sich zu Beginn an der Bar eine kleine Begebenheit, die ich nicht unerwähnt lassen möchte:

Wie die meisten Swingergänger wissen, hat im Juni der Club Bernd's Place seine Pforten geschlossen. (Tauchsieder berichtete). Im August war in der Tagespresse von einem Urteil die Rede, nach dem ein Swingerclub in einer Wohngegend eine Wertminderung für die Eigentümer darstelle. Daraufhin bekam ich von einem mir unbekannten Peter aus München über seinen AOL-Account eine Mail, in der er meinte, mein Artikel sei "Schrott", Bernd's Place habe wegen seiner Betriebsführung zugemacht und gab sich als ehemaliger "Bernds Place Freund" aus. Und genau dieser Peter sprach mich im Karibik an und meinte, der Club hätte wegen diesem Urteil zugemacht und ich würde falsche Sachen schreiben. Er fände das widerlich und beschimpfte mich als "gekauften Journalisten". (Dieser Peter entspricht interessanterweise recht gut der weitverbreiteten Vorstellung vom notgeilen Singlemann. Handtuch um den Bauch und Handtuch über der Schulter. Er war noch gar nicht ganz fertig mit seinen Triaden, schon legte er seine Hände fordernd auf die Schultern meiner Begleitung,eine gute Freundin und Mitarbeiterin, und begann zu sülzen. Ihre offensichtlich Abwehr hat er erwartungsgemäß nicht mal registriert.) Es stellte sich heraus, daß er wohl vom Betreiber zu mir geschickt wurde. Auf einen 'Peter' angesprochen, wichen beide aus und wollten von nichts wissen. In praktisch gleichem Atemzug wurde das Gerücht in den Raum gestellt, ein weiterer Club in München hätte zugemacht. Bemerkenswert und umso mehr unverständlich, als ausgerechnet das Karibik Mitte Juni an mich mit dem Wunsch herantrat, ich solle über eine Veranstaltung einen "äußerst positiven Bericht" schreiben. Diesen Bericht schrieb ich nicht. Statt dessen kündigte ich die Vereinbarung, nach der die Seiten vom Karibik beim Tauchsieder gehostet waren. Kaufen kann man mich nicht, auch wenn manche den Eindruck haben sollten!

Der Club war mäßig besucht, beim Verhältnis Paare zu einzelnen Männern gewannen eindeutig die Männer. Vom Alter her so ab 35 mit Schwerpunkt bei vielleicht 44.

Es war ein interessanter Abend.

Meine persönliche, subjektive Beurteilung:
Man kann sich wohlfühlen, in Details nicht ganz so liebevoll, wie man es erwarten sollte.
 
 

für wen geeignet
 
weniger geeignet für
  • alle die, die nicht auf der rechten Seite aufgeführt sind.
  • Paare, die sich einschließen wollen
  • auf familiäre Gemütlichkeit hoffende
  • unsichere Anfänger

 

Allgemeine Anmerkungen:
Bestimmte Dinge können naturgemäß nur subjektiv beurteilt werden. Die Geschmäcker und Empfindungen sind nunmal verschieden. Der eine mag es groß und weitläufig, der andere gerade nicht. Der eine mag es hell, der andere dunkel. Und was mir schmeckt muß noch lange nicht anderen schmecken und umgekehrt. Der Bericht soll helfen, sich einen Eindruck zu machen, kann aber den eigenen, persönlichen Eindruck nicht ersetzen. Ebenso sollte berücksichtigt werden, daß ein Abend im Swingerclub zum weitaus größten Teil natürlich von den anwesenden Gästen, man selbst eingeschlossen, abhängt. Und die können nicht vorausgesagt werden und sind auch nicht immer gleich drauf. Der Club selbst und wie er geleitet wird zieht mit der Zeit das Publikum an, das sich darin wohlfühlen wird.
 
 

(c) 2000 by Redaktion


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