Wildwest im Swingerclub

Das Ende vom Easy-Swinging

Vom Rotlichmilieu ist man ja Wildwestaktionen gewöhnt, wenn zum Beispiel auf "unkonventionelle" Weise Außenstände eingetrieben werden. Derartiges scheint es nun auch in der Swingerszene zu geben.

Neun Monate lang hatten Franz und Elke als Geschäftsführer und Unterpächter das Easy-Swinging in Puchheim aufgebaut und geleitet.

Was die Gäste nicht wußten, war die Tatsache, daß während dieser ganzen Zeit den beiden sogenannte Investoren im Nacken saßen. Erich F. aus Niederbayern war der eigentliche Hauptmieter des Anwesens in Puchheim. Durch zwei ausgeklügelte Verträge waren sie zusätzlich am Gewinn des Swingerclubs beteiligt. Andererseits aber mußten Elke und Franz nach ihren eigenen Angaben "um jede Schraube betteln", um den Club überhaupt aufbauen zu können. Dabei wäre die Finanzierung ja gerade die Hauptaufgabe der Investoren gewesen. Laut Vertrag sollten die Investoren auch die Unterhaltskosten tragen, über die es jedoch andauernd Streit zwischen den Beteiligten gab.

Am Mittwoch, den 13.6.01 tauchten die beiden Herren aus Niederbayern plötzlich im Easy-Swinging auf und nahmen die Tageskasse an sich. Franz selbst war an diesem Tag nicht im Club sondern nur ein Mitarbeiter. Mit diesem hatten sie leichtes Spiel. Sie hielten es nichteinmal für notwendig, Franz hinterher über ihre Aktion zu informieren.

Am darauffolgenden Samstag erschienen sie wieder. Diesmal eröffneten sie dem verdutzten Franz, "so geht es nicht mehr weiter, es ist zuwenig Umsatz. Ihr seid nicht fähig, den Club zu führen." Da Franz eine Auseinandersetzung fürchtete, gab er klein bei und sagte: "ok, dann schließen wir eben den Club." Die Investoren erklärten großspurig, den Club selbst an diesem Tag führen zu wollen. Daraufhin verließ Franz die Räumlichkeiten. Das Easy-Swinging hatte aufgehört zu existieren.

Etwa 45 Minuten später rief Elke im Club an, um sich zu erkundigen, wann sie ihre persönlichen Sachen abholen könne. Zu ihrem großen Erstaunen war zu diesem Zeitpunkt bereits Stefan als Nachfolger eingeteilt. In den Wochen und Monaten zuvor hatte dieser als regelmäßiger Gast das Easy-Swinging besucht und es hatte ihm dort immer sehr gut gefallen. Nach eigenen Angaben in Gesprächen im Easy-Swinging war er Lieferfahrer für Waschmaschinen und sonstiges. Er soll auch früher bereits einmal einen Kurs als Barkeeper/Mixer gemacht haben.

Gleich am 19.6.01 meldete Franz das Gewerbe für das Easy-Swinging ordnungsgemäß bei der Gemeinde Puchheim ab, da es auf seinen Namen lautete und er nicht weiterhin Verantwortung dafür tragen wollte, was nun in diesen Räumen passieren würde. Über die Beantragung einer neuen Gaststättenkonzession ist der Redaktion nichts bekannt. Nach Auskunft des Gewerbeamtes dauert es im allgemeinen mehrere Wochen, bis eine neue Gaststättenkonzession erteilt ist.

Es hatte bereits früher einmal einen Swingerclub in München gegeben, der ohne Gaststättenkonzession zu existieren versucht hatte. Die Behörden hatten ihn dann sehr bald geschlossen. Von dem Betreiber eines weiteren ehemaligen Clubs ist bekannt, daß er mangels fehlender Konzession in stetiger Angst gelebt hatte, plötzlich aufzufliegen. Die Gäste waren damals stets gewarnt, bei Erscheinen eines Beamten augenblicklich sämtliche "Aktivitäten" einzustellen. Dennoch mußte dieser Club dann ganz plötzlich schließen. Ein Bericht darüber stand damals sogar in der Abendzeitung.

Aus zuverlässiger Quelle ist inzwischen bekannt, daß die beiden Investoren den Betreibern des Swingerclubs "Ibiza" das Easy-Swinging zum Verkauf angeboten hatten. Fee hat jedoch abgelehnt, was nicht verwunderlich ist.

Jeder verantwortungsbewußte Swingerclubbetreiber weiß, daß es am wichtigsten ist, daß sich seine Gäste wohlfühlen. Dann kommen sie nämlich auch wieder und bringen somit Umsatz. Es bleibt die Frage, ob ausgerechnet branchenfremde Investoren, denen es ja eigentlich nur auf das Geld ankommt, oder ein angelernter Barkeeper das nötige Wissen und Feingefühl mitbringen, um Gewerberäume zu einem lebendigen Swingerclub zu machen.

 


 

(c) 2001 by Redaktion


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